Nica Schuemie

Meditation – einmal für mich bitte!

Diesmal nehme ich selbst an einer Meditation teil. Ich freue mich schon sehr darauf und kann es kaum erwarten, dass wir uns gemeinsam in den Kreis setzen und beginnen. Endlich – es ist soweit. Ich mache es mir auf meinem Meditationskissen gemütlich. Meine Stimmung ist etwas überdreht, ich bin sogar ein bisschen aufgeregt. Heute lasse ich mich durch die Meditation führen.
Die Stimme des Meditationsleiters ist sehr angenehm, klar und verständlich.

Ich schließe meine Augen und lasse mich tief in meinen Körper sinken. Meine Atmung wird ruhiger und tiefer, mein Körper beginnt sich immer mehr zu entspannen. Hie und da tauchen ein paar Gedanken, die mit dem heutigen Tag zu tun haben an die Oberfläche. Ich nehme sie einfach wahr und lasse sie weiter ziehen. Ich schenke ihnen weder mein Interesse noch meine Aufmerksamkeit. So plötzlich wie sie aufgetaucht sind, sind sie auch schon wieder verschwunden.

Immer tiefer sinke ich in mich. Begleitet und unterstützt von der angenehmen Stimme unseres Meditationsleiters. Er gibt uns Raum, viel Raum – wenig Anleitung… Wie gut mir das tut.

Ich fühle, wie sich Verspannungen in meinem Körper durch die stetig tiefer werdende Entspannung immer mehr zu lösen beginnen.
Auch das „Ich“ verschwindet ganz sanft, verliert seine Wichtigkeit für diese Momente. Ausdehnung, immer mehr Ausdehnung erfolgt ganz wie von selbst. Ausdehnung über die Meditationteilnehmer, den Meditationsraum, das Haus, die Stadt… Ein wellenartiges, angenehmes Kribbeln durchflutet immer wieder. „Wer  dehnt sich da eigentlich aus?“ Eine kurze Frage, die aufblitzt. Es ist nicht wichtig. Ausdehnung über das Land, die Grenzen, andere Länder, den Kontinent, das Meer, Städte, riesige Städte, Dörfer, Wüste, alles kommt vor, Ausdehnung über die Erde hinaus, in den Kosmos…. wie schön die Erde aussieht…. wer sieht, wieder ein kurzes Aufblitzen des Verstandes…. wieder nicht wichtig, Ausdehnung über den Kosmos… plötzlich ist da nur noch Nichts oder Alles? Ich kann es nicht fassen, definieren, möchte das auch gar nicht. Erleben – einfach nur erleben.

Irgendwie weiß ich, dass ich meditiere, und irgendwie fühle, erlebe ich mich als ewiges Selbst. Und da taucht plötzlich eine neuer Impuls auf, mich auch noch über dieses „Nichts“ weiter auszudehnen.

„Richte deine Aufmerksamkeit wieder auf deine Atmung.“

Ich nehme die angenehme Stimme unseres Meditationsleiters wieder war. Spüre, wie mein Atem ganz sanft meinen Körper durchflutet, nehme meinen Körper ganz bewusst war. Es fühlt sich alles ein bisschen anders an. Luftiger, feiner, lebendiger, kraftvoller. Ich nehme ein paar ganz bewusste, tiefe Atemzüge, öffne meine Augen, recke und strecke mich.

Wow – Dankbarkeit und heitere Gelassenheit durchströmen mein Herz und meinen Körper. Ich fühle mich ruhig und ganz im Hier und Jetzt.
Ich muss innerlich schmunzeln, wie schön das doch ist, immer wieder einmal so losgelöst im Vertrauen zu sein.

Ich erinnere mich zurück, an meine Kindheit, als ich damals in meinem Bett lag und dachte, dass es da draußen im Kosmos ja irgend ein Ende geben müsste, ich mich schon damals ausdehnte und ausdehnte und mich plötzlich oberhalb meines Körper wieder fand. Ich hatte einen ziemlich großen Schrecken davon getragen. Aber es war damals ein Anfang, ein Schritt in mein zukünftiges Leben, der mir erst Jahre später so richtig bewusst wurde.

Ich nehme einen weiteren tiefen Atemzug, der ganze Meditationsraum fühlt sich luftiger und heller an, schenkt mir noch mehr Geborgenheit. Ich schaue mich ein bisschen um und erkenne auch in den Gesichtern der anderen Entspannung, Angekommen sein, Friede, Berührtheit und Liebe.

Wie schön es doch ist, gemeinsam zu sein, denke ich mir und mache mich erlöst und zufrieden auf meinen Heimweg.